19. April 08
200 Menschen demonstrierten in der Bocholter Innenstadt gegen Neo-Nazis


Mehr als 200 Menschen folgten am Samstag (19.04.08) in Bocholt einen Aufruf der Bürgerinitiative „No Nazis. Bocholt stellt sich quer!“. Anlass war eine Mahnwache der rechtsextremistischen NPD, die vor dem Stadthaus auf dem Berliner-Platz stattfand. Neben Mitgliedern der Bürgerinitiative sprach auch Dr. Werner Look von der christlich jüdischen Gesellschaft zu den Kundgebungsteilnehmern.
Um Punkt 17 Uhr formierte sich der Demonstrationszug der Neo-Nazi-Gegner durch die Fußgängerzone der Innenstadt in Richtung historisches Rathaus. Dort fand eine Zwischenkundgebung statt. Rainer Sauer, Sprecher der Bürgerinitiative, zeigte sich in seiner Rede empört darüber, dass Neo-Nazis ausgerechnet am Vorabend des Geburtstages des Nazi-Diktators und Massenmörders Adolf Hitler ihre braune Propaganda in Bocholt verbreiten dürfen. Außerdem machte er an einigen Beispielen deutlich, dass es sich bei den Neo-Nazis um eine kriminelle rechtsextreme Gruppe handelt, die seit Monaten Bocholt terrorisiert. Er forderte insbesondere den Bürgermeister und den Rat der Stadt Bocholt auf, endlich etwas dagegen zu unternehmen. „Wir wollen ein Nazifreies Bocholt“, so Sauer.
Nach etwa 15 Minuten ging es weiter in Richtung Parkplatz Bärendorferstraße Ecke Meckenemstraße. Etwa 100 Meter gegenüber auf dem Berliner-Platz versammelte sich eine kleine Gruppe von Neo-Nazis – von der Öffentlichkeit sichtlich unbemerkt und abgeschirmt hinter Absperr-Gittern. Während der Abschlusskundgebung riefen die Neo-Nazi-Gegner immer wieder in Sprechchoren „Nazis raus, Nazis raus“ und „Ob Ost. Ob West. Nieder mit der Nazipest“. Am Rande der Demonstration wurde bekannt, dass Neo-Nazis in Bocholt drei weitere Mahnwachen bei der Polizei angemeldet haben – und zwar für den 10., 17. und 24 Mai. Ein Teilnehmer der Bürgerinitiative dazu: „Wir werden uns dann wieder quer stellen und Flagge zeigen!“.
Zu Beginn der Demonstration ereignete sich ein unbedeutender Vorfall, der aber jetzt von der Polizei hochstilisiert wird: Ein Teilnehmer trug einen Armschmuck, den die Polizei als bedenklich ansah. Eine Ordnerin des Veranstalters bat darauf hin den jugendlichen Demonstrant, diesen während der Demonstration bei der Polizei zu hinterlegen. Bereitwillig und ohne Wenn und Aber folgte er der Bitte der Ordnerin. Aus der Pressemitteilung der Polizei am Abend geht hervor, dass jetzt gegen diesen jungen Demonstranten ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden sei. „Allmählich ist der Eindruck vorhanden, dass die Bürgerinitiative „No Nazis“ durch solche Maßnahmen öffentlich vorgeführt und in Misskritik gebracht werden soll“, so Sauer und fügte hinzu, „wir fordern, dass die Polizei stattdessen ihre Maßnahmen in Richtung Neo-Nazis verstärkt“.















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